Menschenrechts-Filmpreise 2016

Eintritt frei
 feste Termine im  FilmABC

Präsentation der Preisträger-Filme

In Kooperation mit dem Hamburgischen Anwaltverein und Amnesty International Hamburg zeigen wir am 14. und 15. September jeweils ab 19 Uhr Preisträger des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises 2016. Weitere Infos zu Preis und Filmen finden Sie auf menschenrechts-filmpreis.de. Außerdem gibt es ein Faltblatt als pdf. Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei. 

   Mexiko – Künstler gegen das Verbrechen

14.9. um 19.00 – Film 1
Regie Alexander Bühler, Jens-Uwe Korsowsky
DE 2015, 7 Min.

43 ErinnerungsbaumAn den 43 im September 2014 im mexikanischen Iguala verschwundenen Lehramts-Studenten kommt man nicht mehr vorbei. 43 ist heute eine Chiffre für die ungesühnten Verbrechen in Mexiko, für die Verstrickungen des Staates mit der Drogenmafia. Künstler und die Eltern der mutmaßlich ermordeten Studenten sind die moralische Instanz dieser Bewegung.
Aus der Begründung der Jury
Der Film von Alexander Bühler zeigt, dass ihr Tod nicht umsonst war. Das gibt Hoffnung. Wer am Anfang glaubt einen Beitrag zu sehen, der nur „Gegen das Vergessen“ ankämpft, wird überrascht. Als wäre es nicht wichtig genug, an das ungeklärte Schicksal der Vermissten zu erinnern, nimmt der Film alle wichtigen Themen Mexikos in den Focus: Unterdrückung, unaufgeklärte Verbrechen, die Macht der Drogenmafia, korrupte politische Eliten… Und er zeigt, dass zwar 43 Studenten gestorben sind, aber nicht die Ideale der Menschen in dem mittelamerikanischen Land.

   Morgenland

14.9. um 19.00 – Film 2
Regie: Sonja Elena Schroeder, Luise Rist, Hans Kaul, Thomas Kirchberg
DE 2015, 35 Min.

Jugendliche Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, aus Afghanistan, Eritrea und Somalia stehen gemeinsam mit Göttinger Jugendlichen, deren Eltern vor sechzehn Jahren aus dem Kosovo geflüchtet sind, vor der Kamera. In dem verspielten, surrealen und gleichzeitig realistischen Film inszenieren sie sich selbst mal an ihren Lieblingsorten, mal in ihren Traumberufen.
Aus der Begründung der Jury
Mit ehrlicher Hingabe, großem visuellen und formalen Ideenreichtum und einem Augenzwinkern erstellen Jugendliche aus Göttingen einen Film über ihre Träume. Ihre offenen Fragen und ihre poetischen Texte über Erfahrungen auf der Flucht, ihr Lebensgefühl und ihre Zukunftswünsche ermöglichen einen besonderen Zugang zu vielschichtigen Biographien. Die Jury findet, dass der Film „Morgenland“ ein herausragendes Beispiel dafür ist, dass Menschen Hand in Hand Großartiges schaffen können. Das beginnt mit einem Film wie diesem.

   Durch den Vorhang

14.9. um 19.00 – Film 3
Regie: Arkadij Khaet
DE 2916, 27 Min.

Unbeschwert macht Tom sich mit seiner Klasse auf die Reise nach Israel. Als er wenige Stunden nach seiner Ankunft verletzt im Krankenhaus liegt, ist Tom seine gute Laune vergangen. Seine Wut auf das fremde Land wächst, bis seine Bettnachbarin durch den Vorhang, der die beiden trennt, zu erzählen beginnt.
Aus der Begründung der Jury
„Durch den Vorhang“ erzählt von einer Generation junger Menschen, die nicht mehr so recht wissen, warum sie die Versöhnungsrituale ihrer Eltern mitspielen sollen. Der Schüleraustausch, den die Elterngeneration mit guten Vorsätzen geplant hatte, nimmt eine völlig andere Wendung. Neben dieser gescheiterten Annäherung zwischen jungen Deutschen und Israelis erzählt der Film eine zweite Geschichte. Im Krankenhaus trifft Tom auf eine alte Frau namens Rosa, die im Rahmen der Kindertransporte, die zwischen 1938 und 1939 über 10.000 jüdischen Kindern das Leben retteten, anstelle ihrer älteren Schwester Karin nach England geschickt wurde. Durch das durchgängig überzeugende Spiel der Darsteller bietet der Film Identifikationsmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler. „Durch den Vorhang“ ist ein Glückfall, weil er filmisches Können mit einer eindrücklichen, jedoch niemals aufdringlichen Botschaft verbindet.

   Cahier africain

15.9. um 19.00
Regie: Heidi Specogna (Dok.)
DE 2016, 119 Min.

Bewohner des Dorfes PK12 in Zentralafrika sammeln in einem Schulheft (frz. cahier) Zeugenaussagen und Passbilder von 300 Mädchen und Frauen, die 2002 von Söldnern aus dem Kongo vergewaltigt und misshandelt wurden. Der Film hat diese Gruppe seit 2008 über sieben Jahre begleitet. Während in Den Haag der letzte „Krieg“ noch juristisch aufgearbeitet wird, bricht der nächste Krieg aus…
Aus der Begründung der Jury
Ein schlichter Titel für einen Dokumentarfilm, dessen erzählerische Vielschichtigkeit vielleicht am ehesten noch mit einem Roman oder einem großen Epos zu vergleichen ist. Es ist große dokumentarische Film-Kunst, was Regisseurin Heidi Specogna, Kameramann Johann Feindt und Cutter Kaya Inan in 119 Minuten ausbreiten.
Plötzlich bricht ein neuer Krieg aus, der die Menschen überrollt und versprengt. Das Filmteam folgt ihnen, zeigt ihr Schicksal mit einer fast stoischen Schonungslosigkeit. Dabei werden die Menschen nie ausgestellt. Sondern ihnen wird die Würde zurückgegeben, die ihnen mit Begriffen wie „Flüchtling“ im Mahlstrom der Polit-Talkshow-Maschinerie genommen wird.
Statt mit der Angst vor der „neuen afrikanischen Flüchtlingswelle“, setzt sich dieser Film mit der Realität in Ländern wie der Zentralafrikanischen Republik differenziert auseinander. Die Regisseurin tut das mit unermüdlichem Einsatz, großem Einfühlungsvermögen und den Mitteln, die ihr als Dokumentarfilmerin zur Verfügung stehen. Die Jury war vom Ergebnis, „cahier africain“, sehr beeindruckt und verleiht Heidi Specogna dafür den Deutschen Menschenrechtsfilmpreis in der Kategorie Langfilm.

Präsentation der Preisträger des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises
Am 14. September um 19 Uhr zeigen wir drei kürzere Filme: ,Mexiko…‘, ,Morgenland‘ und ,Durch den Vorhang‘.
Am 15. September um 19 Uhr zeigen wir den Langfilm-Preisträger ,Cahier africain‘.

Interview mit Heidi Specogna (Regie von ,Cahier africain‘, FSK unbekannt)