Der Skandal als vorlauter Bote

Vortragsreihe mit Hannes Heer
 feste Termine im  FilmABC

Die großen deutschen Geschichtsdebatten als Selbstaufklärung der Gesellschaft und Aneignung der Schuld.

Mit dieser Film- und Vortragsreihe erforscht der Hamburger Historiker und Publizist Hannes Heer bis Oktober 2017 in Vorträgen mit Filmausschnitten die Hintergründe deutscher politischer Skandale von 1955 bis 1995. Ein Faltblatt mit Infos zur ganzen Reihe liegt im Kino aus und gibt’s hier zum Download.

Die Reihe von Abaton und Hannes Heer entstand in Kooperation mit der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft Hamburg e.V., der Evangelischen Akademie der Nordkirche, dem Institut für die Geschichte der Deutschen Juden, der Körber-Stiftung und der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.

Beim vierten Termin in der Matinee am 23. April geht es um
Der Aufstand gegen die Nazigeneration (1967-1968)

Zwei Jahrzehnte nach dem Ende des Dritten Reiches stellte ein Aufstand der Generation, die erst im Krieg oder kurz danach geboren worden war, das Verhalten der eigenen Eltern ab 1933 wie deren Umgang damit nach dem 8. Mai 1945 radikal in Frage. Hatten die Eltern ihre Nachkriegsidentität durch Auslöschung der Nazizeit aus der Erinnerung gewonnen, so begründeten ihre Söhne und Töchter eine neue Identität, indem sie die Verbrechen des NS-Regimes und deren Leugnung nach dem Krieg zum Angelpunkt der deutschen Geschichte erklärten und die Kritik daran zur Bedingung für das Entstehen einer demokratischen Kultur in der Bundesrepublik machten.

Mit der Frage nach der Rolle der eigenen Familie wie der Mehrheit der Deutschen in der NS-Zeit wurden nicht nur die Normen einer universalistischen Moral als gültiger Maßstab des eigenen Lebens angenommen, sondern zugleich in die deutsche Geschichte zurückgeholt. Der israelische Historiker Saul Friedländer hat diesen Epochenbruch wie dessen Akteure präzise benannt: „Die Studenten stellten zum ersten Mal die Frage: ,Wo warst du, Vater?‘ “

Dazu zeigen wir:
Mein 68. Ein verspäteter Brief an meinen Vater
von Hannes Heer
DE 1988, 45 Min., dt.F.

Vortrag mit Filmausschnitten
In der Matinee am 23. April spricht Hannes Heer über die 68er und zeigt seinen Film ,Mein 68‘. Ulrich Hentschel moderiert das Gespräch.