Die Zeit ist aus den Fugen

Regie: Christoph Rüter (Dokumentarfilm)
Kamera: Ingo Manzke, Holger Rusch, Manfred Hulverscheidt, Rainer Lindemann
Musik: Einstürzende Neubauten, The Stranglers u.a.
Mit Ulrich Mühe, Heiner Müller, Jörg Gudzuhn, Dagmar Manzel, Klaus Piontek
DE 1990, 110 Min. , dtF
 feste Termine im  FilmABC

Zum 90. Geburtstag von Heiner Müller

Erst im Sommer 1989 konnte Heiner Müller seine – zwölf Jahre zuvor geschriebene und 1979 in Paris uraufgeführte – seine gut siebenstündige „Hamletmaschine“ am Deutschen Theater in Ost-Berlin selbst inszenieren. Christoph Rüter, Dramaturg an der Freien Volksbühne in West-Berlin, hat die Proben mit der Kamera begleitet.

In seinem Film ,Die Zeit ist aus den Fugen‘ – betitelt Hamlets Replik „Time is out of joint“ – mischt er die Proben mit Nachrichten-Bildern vom sich abzeichnenden Untergang der DDR im Sommer 1989. Seine – vielleicht nicht immer gelungenen – Filmtricks aus der Anfangszeit der digitalen Bildbearbeitung haben heute den Effekt, seinen Film noch mehr in seiner Entstehungszeit zu verankern, ihm noch mehr Authentizität zu geben.

Die eigentlichen Helden seines Films aber sind Heiner Müller selbst, der laut und leise unsere deutschen Wiedervereinigungszeiten vorhersagt, und sein Alter-Ego, der Darsteller Ulrich Mühe, der als Hamlet das Schwert des Schicksals schwingt, während Kohl und Konsorten am Brandenburger Tor die Nationalhymne absingen.