Über 17 Monate Isolationshaft, mehr als 500 Tage Haft unter besorgniserregenden Bedingungen: Die Aktivistin und Antifaschistin Maja T. wird vorgeworfen, während der Demonstrationen zum „Tag der Ehre“ – einer jährlichen Gedenkveranstaltung, zu der sich Tausende von Aktivisten der extremistischen und radikalen Flügel des Nationalismus aus ganz Europa versammeln (die am 11. Februar 2023 eben in Budapest stattfand) – an einem Angriff auf Rechtsextremisten beteiligt zu haben. Die gleiche Anklage richtet sich gegen Ilaria Salis, die heute als Europaabgeordnete versucht, Licht in diesen Fall zu bringen, indem sie auf ihren sozialen Kanälen dazu aufruft, sich den Dokumentarfilm anzusehen. Nach Ansicht der Verteidigung der Festgenommenen stimmen viele Details nicht überein.
„In dem Klima des Extremismus und Autoritarismus, in dem wir leben, stellt der Kampf von Maja und ungarischen Aktivisten gegen die systematische Verletzung der Menschenrechte jedem von uns die Frage: Wie viel sind wir bereit, für andere zu opfern? Seien es unsere Kinder, Freunde oder Menschen, die wir nicht kennen. Sind wir bereit, unsere eigene Sicherheit zu gefährden, um die Sicherheit anderer zu schützen?“, erklärte die Regisseurin Marta Massa. „Als ich zum ersten Mal von den Angriffen am ‚Tag der Ehre‘ hörte, war ich gerade nach Budapest gezogen. Es ist mehr als ein Jahr her, seit ich den letzten Prozess gegen Ilaria Salis gefilmt habe, eine Antifaschistin italienischer Herkunft, die wegen ihrer mutmaßlichen Beteiligung an eben diesem neonazistischen Angriff verhaftet wurde“, fuhr sie fort.
„Ilaria Salis ist es gelungen, aus den Gefängnissen von Budapest zu entkommen, doch seitdem hat sich die vom ungarischen Staat angeführte Auslieferungskampagne gegen alle Antifaschisten, die der Beteiligung an dem Fall verdächtigt werden, weiter radikalisiert. Aus diesem Grund habe ich beschlossen, weiter zu filmen und die Beziehung zu Majas Familie während der Haft und des Prozesses zu vertiefen“, fügte die Regisseurin hinzu. „Die große Fürsorge und Solidarität, die ich während der Prozesszeit von Freunden und Unterstützern für Maja gespürt habe, hat mich dazu bewegt, an der ersten Verhandlung und den folgenden Sitzungen teilzunehmen und diese aus nächster Nähe zu verfolgen.“
„Mein Herz schlägt schnell und trägt Stolz, Dankbarkeit und Zuversicht in sich, doch ich weiß noch nicht, wohin es mich führt. Ich halte den Atem an, blicke aber dennoch zu euch hinüber, dorthin zwischen die roten Sessel, wo das Leben blüht und die Hoffnung wirkt“, schrieb Maja in einem Brief aus dem Gefängnis an diejenigen, die den Dokumentarfilm sehen werden.
Vorstellung mit Gästen
Wir zeigen den Film in Kooperation mit Family and Friends Hamburg am Sonntag, 28. Juni um 15 Uhr.
Anschließend folgt ein Gespräch mit der Regisseurin Marta Massa, dem ungarischen Journalisten Benjamin Lázár Fazekas (Mercé) und dem Journalisten Jan Theurich (Dunya Collectiv) über den Film, das Verfahren und die aktuelle politische Situation in Ungarn nach den Wahlen im April 2026.
Ausführlicher Artikel der taz mit dem Stand 19. Juli 2025 und ein Artikel des antifaschistischen Infoblatts aus August 2025.
Drehbuch, Regie Marta Massa (Dokumentarfilm)
Mit Maja T.
IT/HU/BE/PT 2025, 25 Min., ung./dt. OmU