Campione d’Italia liegt im Schweizer Teil des Luganer Sees. Es ist eine italienische Exklave mit 1700 Einwohnern auf Schweizer Gebiet. Das Fischerdorf war seit den 1930er Jahren eine der reichsten Gemeinden Italiens. Der Grund dafür war die Lizenz für ein Spielcasino: In Campione gab es das größte Casino Europas. Der Bau nimmt etwa die Hälfte des gesamten Zentrums ein. Fast hundert Jahren lebte Campione vor allem von diesem Casino, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch im Selbstverständnis seiner Einwohner, die bis in ihren Alltag Zeugen des Glamours waren, der sich dort täglich entfaltete. Prominenz kam aus aller Welt angereist, weilte in Luxusvillas – wie Sophia Loren und Federico Fellini (nur als Beispiele), mit ihren Pelzmäntels und den euren englischen Autos…! Der Abglanz war allgegenwärtig und erreichte alle.
2018 meldete das Casino über Nacht Konkurs an. Pleite sind seitdem auch die Gemeinde und ihre arbeitslosen Bewohner und Bewohnerinnen. Tristesse liegt über den Gassen und Promenaden. Über allem thront das Casino als ein sinnlos gewordener, abweisender architektonischer Monolith aus Beton.
Was geschieht mit einer Gemeinschaft, deren sinnstiftender Mittelpunkt schlagartig nicht mehr existiert? Wie organisiert sie sich nach dieser „Stunde Null“ neu? Können neue soziale Strukturen entstehen? Finden sich Mut und Einsicht für etwas wirklich Neues? Diese Fragen stellen und beantworten zum Teil die Regisseure Michele Cirigliano und Anton von Bredow.
Hamburger Premiere
Am Dienstag, 3. Februar um 20.15 Uhr sind Regisseur Anton von Bredow und Produzent Thomas Tielsch zu Gast.
Regie Anton von Bredow, Michele Cirigliano (Dokumentarfilm)
Kamera Jonas Jäggy und Aurelio Buchwalder
Musik Friederike Bernhardt
Montage Marzia Mete
DE/CH 2025, 83 Min., div.OmU, ab 0