Was haben lang zurückliegende Kriegserlebnisse der Eltern mit dem eigenen Leben heute zu tun?
Als Angehöriger der sogenannten Kriegsenkel-Generation liegt für Filmemacher Oliver Kanehl der Schlüssel zum Verständnis des eigenen Lebens auch im Verstehen des Lebens der eigenen Vorfahren. Die Suche nach den Ursachen der subtilen, aber mächtigen Folgen, die Nationalsozialismus und Vernichtungskrieg in seiner Familie hinterlassen haben, führte ihn zu seinem Film „Sprechen Sie Deutsch?“ – auf Spurensuche im Land der Erinnerung.
Kanehl nimmt den Zuschauer mit auf die Suche nach den Orten und Lost Places der Kriegs-Kindheit seines Vaters. 2008 reiste Kanehl mit seinem Bruder und den Eltern nach Polen. Jahre später rekonstruiert er anhand von Aufnahmen dieser Reise, was der Vater auf seiner Flucht nach Westen 1944-45 erlebte. Behutsam nähert er sich dabei den Themen Abschied und Tod sowie der Frage von Gewalterfahrung und Heimatverlust in der Familie. Vergangenheit und Gegenwart begegnen sich, wenn heutige Normalität auf frühere Schrecken trifft und sich verborgenes Trauma langsam enthüllt.
Entstanden ist ein intimer und bewegender Film, der berührt. „Sprechen Sie Deutsch?“ ist der etwas andere Familienfilm, der die Generationen zum Austausch einlädt, über sich, die eigene Familie und unsere Geschichte näher nachzudenken.
Vorstellung mit Gast
In der Matinee am Sonntag, 17. Mai ist Filmemacher Oliver Kanehl zu Gast.
Drehbuch, Regie, Kamera, Schnitt Oliver Kanehl (Dokumentarfilm)
DE 2022, 85 Min., dtF