Immer mehr Menschen erheben sich gegen die britische Kolonialmacht, die ihren Einfluss mit Gewalt durchsetzt. Gleichzeitig drängen immer mehr europäische Juden in die Region. Der unparteiische Araber Yusuf pendelt zwischen seinem ländlichen Heimatdorf und dem zunehmend angespannten Jerusalem. Schließlich schlägt sich der junge Mann auf die Seite des Widerstands. Er schließt sich dem Hafenarbeiter Khalid an, der angesichts der allerorten eskalierenden Situation zur Waffe greift. Die Lage spitzt sich dramatisch zu – ein entscheidender Moment, der den Ursprung des Konflikts der gesamten Region markiert.
Annemarie Jacir: „Der Dichter Ne’ma Hasan aus Gaza sagte einmal: ,Wenn die Straßen blockiert sind, zeichne eine neue Karte.‘ Das ist unsere Lebensweise geworden, die wir von unseren Eltern und Großeltern gelernt haben. Sie prägt alles, was wir tun: zur Arbeit gehen, zum Arztermin, die Familie besuchen, einen Film drehen…
Es war schon lange mein Traum, die Geschichte des Aufstands von 1936–39 zu erzählen, und es lag nahe, dies aus den unterschiedlichen Blickwinkeln einer Gruppe von Figuren zu tun. Der Aufstand von 1936 markiert den entscheidenden Moment unserer Geschichte, und ich wollte diese Geschichte auf persönliche Weise erzählen.“
An den (fast) originalen Schauplätzen spielen neben Hiam Abbas und Jeremy Irons auch Robert Aramayo (in diesem Monat auch in ,Verflucht Normal‘ zu sehen) und Saleh Bakri, der in ,Im Schatten des Orangenbaums‘ spielte als der aufständische Khalid. Das jüngste Werk der palästinensischen Filmemacherin Annemarie Jacir und offizieller Oscar-Beitrag für Palästina, wurde auf dem Toronto Film Festival mit 20-minütigen Standing Ovations geehrt: Ein leidenschaftliches Historienepos über den arabischen Aufstand von 1936, das diesem prägenden Moment der Geschichte ihres Landes klar vor Augen führt.
Pressestimmen
"Wer verstehen will, woher der gegenseitige Hass zwischen Israelis und Palästinensern kommt, muss sich mit den Wurzeln des Nahost-Konflikts beschäftigen. 1936 ist dafür ein Schlüsseljahr. Das Historiendrama ’Palästina 36’ erzählt davon.", schreibt der NDR.
"’Brisant’ ist ein überstrapaziertes Wort - aber selten trifft es so präzise zu wie bei ’Palästina 36’", findet der Stern. "Doch der Film fühlt sich nicht wie ein verstaubtes Geschichtsbuch an. Rund 90 Jahre später erscheinen viele Konfliktlinien erschreckend vertraut - näher, als man es von einem Historienfilm erwarten würde."
"Eine historische Lücke versucht die palästinisch-amerikanische Regisseurin Annemarie Jacir mit ihrem Historiendrama ’Palästina 36’ zu schließen, der eine entscheidende Episode der palästinensischen Geschichte dezidiert aus palästinensischer Sicht erzählt. Das ist bisweilen einseitig, Bezüge zur Gegenwart wirken oft allzu bemüht, dennoch entwickelt der Film große emotionale Kraft, die gerade in Deutschland helfen könnte, den Blick auf den Nahen Osten zu schärfen.", meint Programmkino.de.
Die Variety schreibt: "Jacirs Film erinnert daran, dass Geschichte nichts Abstraktes ist, sondern durch Familien und kleine Momente der Solidarität und des Konflikts gelebt wird. Indem epische Weite mit intimen Details verbunden werden, wird das Porträt eines Volkes, das zwar zerrissen, aber dennoch ungebrochen ist, gezeichnet."
Für Peter Bradshaw vom Guardian ist das „… ein Film, der ins Herz geht, wenn auch etwas behäbig inszeniert und stellenweise etwas belehrend."
Artechcock geht strenger ins Gericht: "Annemarie Jacirs Palästina 36 will die Vergangenheit erklären, verliert sich aber zwischen agitatorischer Vereinfachung, historischen Verzerrungen und einem erstaunlich unbeholfenen Kinoverständnis."
Bert Rebhandl hat für den tip Berlin mit der Regisseurin Annemarie Jacir gesprochen, die „ sie sich hundertprozentig mit Palästina identifiziert. Es ist allerdings eine andere Identifikation als die eindimensionalere, die heute vielfach nur das muslimische Palästina in den Vordergrund stellt. Jacir wurde in Bethlehem geboren, also im Westjordanland, als Tochter einer christlichen Familie.“
Der Jüdischen Allgemeinen fehlt u.a. eine hinreichende Darstellung des Mufti von Jerusalem, Hadsch Amin al-Husseini, der Führungsfigur des Aufstandes, der ein glühender Antisemit und Verehrer Adolf Hitlers war.
Drehbuch, Regie Annemarie Jacir
Besetzung Hiam Abbass, Kamel El Basha, Jalal Altawil, Robert Aramayo, Jeremy Irons, Yasmine Al Massri
Kamera Sarah Blum, Tim Fleming, Hélène Louvart
Musik Ben Frost
FR/QT/Palästina/SA/UK/JO 2025, 119 Min., arab.-engl. OmU|dt.F., ab 16