An einem sehr frühen Morgen in Berlin geht Jessie verloren. Ganz lautlos. Ihre Mutter Ella und ihre kleine Schwester Melli versuchen den überraschenden Tod zu verarbeiten. So wie ihr Freund Lux, der mit Jessie auf dem Dach gestanden hatte.
Ein Jahr später machen Ella und Melli regelmäßig Friedhofbesuche. Die beiden trauern jede auf ihre Art. Lux taucht auch ab und zu auf, zernagt von Zweifeln, was er hätte verhindern können.
Aber Trauer ist eine seltsame Welt … und was mit den dreien geschieht, davon erzählt der neue Filme von Sandra Wollner (,The Trouble with Being Born‘). Immer wieder finden sie und ihr Kameramann Gregory Oke (etwa mit Super-Tele-Aufnahmen) Bilder, die sich wie Phantasmen öffnen und doch so ungeheuer realistisch sind. Was ist das für eine Welt, in der Birgit Minichmayr mehr und mehr aufgeht?
Eine Welt, die übermächtig wird, als die drei – Ella, die Mutter, Melli, die kleine Schwester, und Lux, der Ex-Freund – sich plötzlich entscheiden, in die karge Welt von Teneriffa in Urlaub zu fahren…
’Everytime’ gewann den Hauptpreis auf dem Filmfestival in Cannes in der Reihe ’Un Certain Regard’.
Regiestatement von Sandra Wollner
Ich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod, aber ich beneide die Menschen, die es tun. Ich glaube, dass die Bilder der Menschen, die uns nahe sind, bei uns bleiben. Dass sie sich auf irgendeine Weise in die Welt einschreiben. Wenn ich zumBeispiel an meinen verstorbenen Vater denke, sehe ich ihn an der immer gleichen Stelle am Fluss stehen, die Angelrute in der Hand. Ob ich dabei tatsächlich an diesem Fluss in meiner Heimatstadt stehe oder mitten in Berlin, macht dabei keinen Unterschied. Dieses Bild fühlt sich manchmal so real an, als könnte ich einfach hineinspazieren und mich dazu stellen.
Diesem Gefühl wollte ich folgen. Während sich das größtmögliche Unglück entfaltet, scheint die Sonne weiter, als wäre nichts geschehen. Sie hat nicht den Anstand, stehen zu bleiben.
In ‚Everytime‘ beobachten wir eine Mutter, die ihre Tochter verloren hat, die jüngere Schwester, die ihre ganz eigenen Wege, hat damit umzugehen und einen Jungen, dem alle die Schuld geben.
Während die Sonne einfach so dahängt, als wäre nichts geschehen, sehen wir ihnen dabei zu, wie sie versuchen, das Richtige zu tun. Sie halten sich an einer fragilen Routine fest, eine einstudierte, pragmatische Form von Alltagsbewältigung, die den unmöglichen, unerfüllbaren Wunsch darunter nur schlecht verdeckt: irgendwie dahin zurückzukehren, wo „all das nie passiert ist“.
Pressestimmen
"Wollner erklärt nicht, sie zeigt nur. Und das gelingt ihr in formvollendeter Schönheit.", schreibt die taz. "Erzählt in Bildern, wie sie nur das Kino zu zeigen vermag."
"Das ist eine Art von Kino, das es vermag, eine unheimliche Grundspannung aufrechtzuerhalten und mit jedem Bild, jedem Ton und jedem neuen Schauplatz zu überraschen.", so der Standard.
Regie Sandra Wollner
Drehbuch mit Roderick Warich
Kamera Gregory Oke
Musik Timm Kröger, Peter Kutin, David Schweighart
Besetzung Birgit Minichmayr, Tristan López, Lotte Shirin Keiling, Carla Hüttermann
AT/DE 2026, 124 Min., dtF, ab 12