Über drei Jahre hinweg sprachen Yuval Abraham und Rachel Szor auf einer dunklen Dachterrasse in Tel Aviv mit Angehörigen des israelischen Militärs und der Geheimdienste. 24 israelische Geheimdienstoffiziere und Soldaten kommen im Film anonymisiert zu Wort; ihre Stimmen und ihr Erscheinungsbild wurden digital verfremdet.
Nach dem Oscar-Erfolg von ,No Other Land‘ kehren Yuval Abraham und Rachel Szor mit einem neuen, hochaktuellen Dokumentarfilm zurück: ,Naza‘ feierte am 10. September seine Weltpremiere im Wettbewerb der 83. Internationalen Filmfestspiele von Venedig und wurde dort mit 25-minütigen Standing Ovations aufgenommen.
Kommentar des Regie-Teams: „Wir haben diesen Film aus dem Gefühl der Verpflichtung heraus gedreht, unsere Position als Israelis zu nutzen, um die Systeme hinter der Massenvernichtung palästinensischer Zivilisten zu untersuchen, für die unser Land verantwortlich ist. Während der Dreharbeiten in den letzten drei Jahren stellten wir uns genau die Fragen, die bereits die Generation unserer Großeltern und im gesamten 20. Jahrhundert gestellt wurden: Wie kann eine Gruppe von Menschen die vollständige Entmenschlichung einer anderen Gruppe zulassen? Wie sehen die inneren Abläufe eines solchen Systems aus?
Viele der Enthüllungen in dem Film wurden fast unmittelbar, nachdem wir davon erfahren hatten, in den Monaten nach den Angriffen vom 7. Oktober von The Guardian (einem der Produzenten von NAZA) in Zusammenarbeit mit den Berichterstattungspartnern +972 Magazine und Local Call veröffentlicht. Der Film ermöglicht es uns, etwas Tieferes zu ergründen, als wir es allein mit unserem investigativen Journalismus könnten: nicht nur die Worte, die gesagt werden, sondern auch jene, die nicht gesagt werden – das Schweigen. Es liegt an uns allen, dieses Schweigen zu brechen.“
Pressestimmen
"Abraham und Szor vermeiden tatsächliche Aufnahmen des Sterbens, umso eindringlicher gelangen diese schemenhaften Zeichnungen und die Worte selbst in die Sphäre unserer Vorstellung.", sagt die Frankfurter Rundschau.
"Aneinandergereiht über eine Länge von 80 Minuten, unterbrochen nur von Kamerafahrten über das nächtliche Tel Aviv oder kurzen Newsflashs aus dem israelischen Fernsehen, ergeben diese Aussagen ein schockierendes Bild über die Banalität des Bösen.", meint Radio 3.
Doch es gibt auch kritische Stimmen:
"Bei diesem Film geht es vor allem um die Reaktionen. Und auf die ist er geradezu perfide angelegt. Hier kommt das Ende der Sachlichkeit.", findet die Jüdische Allgemeine.
"Der reduzierte Ansatz des Films offenbart in diesem Punkt einen inneren Widerspruch: Alle der 24 Befragten sind als Whistleblower eingeführt. Da sie zu ihrem Schutz anonym sprechen und es sich um mutmaßliche Militärgeheimnisse handelt, lassen sich ihre Aussagen schwer überprüfen.", kritisiert die taz.
Sondervorstellung
Am Dienstag, 17.11. um 18 Uhr läuft der Film mit anschließender Diskussion mit Nahostexperte Bauke Baumann von der Heinrich Böll-Stiftung.
In Kooperation mit der Heinrich Böll-Stiftung
Regie Yuval Abraham, Rachel Szor (Dokumentarfilm)
UK/US/IL 2026, 80 Min., engl./hebr.OmU