,Das asthenische Syndrom´ besteht aus zwei Teilen, einmal als Film-im-Film in Schwarz-Weiß, einmal in Farbe. Im ersten bricht eine Frau über den Tod ihres Mannes psychisch zusammen und erteilt allen gesellschaftlichen Konventionen eine radikale Absage. Im zweiten ereilt einen jungen Lehrer das asthenische Syndrom: Den Zumutungen des Lebens begegnet er auch in unmöglichsten Situationen mit tiefem Schlaf.
Das Leben ist ein fiebriger Alptraum, in dem keinerlei Bindungen und Zusammenhänge mehr bestehen, in der eine ganze Gesellschaft abwechselnd zwischen Wahn und Apathie schwankt.
Der äußere Zerfall der Sowjetunion findet seine innere Entsprechung in verzweifelt-sinnlosen Ausbrüchen von Gewalt. Wie nebenbei wird dem Glauben an die weltverändernde Kraft der Kunst mit spöttischer Ironie eine Abfuhr erteilt.
Diese lustvolle Pervertierung der filmischen Konventionen des sozialen Realismus wurde zum einzigen sowjetischen Film, der während der Perestroika verboten wurde.
Text von Annette Lingg zu einer Aufführung im Münchner Stadtmuseum
Drehbuch mit Sergei Popov, Aleksandr Tschernych
Kamera Vladimir Pankow
Besetzung Olga Antonova, Sergei Popov, Pavel Polishchuk, Natalya Ravella
UDSSR/Ukraine 1989, 156 Min., russ.OmU