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Vier teure Geigen = gute Musik?

Astrid wird den Traum ihres verstorbenen Vaters erfüllen: vier weltberühmte Stradivari-Geigen zum ersten Mal für ein Konzert zu vereinen. Doch die Harmonie endet beim Holz der kostbaren Instrumente. Die für das Projekt engagierten Solisten Lise, George, Peter und Apolline beherrschen virtuos ihre Saiten und weniger virtuos ihre übergroßen Egos. Astrid bittet den befreundeten Komponisten Charlie, aus den vier Einzelkämpfern ein Quartett zu formen, das aufeinander hört. Umso überraschender als sich das Einverständnis Bahn bricht.

Es folgt ein längerer Snap aus dem Presseheft, in dem Grégory Magne über seinen Film spricht: „Vor einigen Jahren hatte mich eine befreundete Cellistin eingeladen, mir das Stück anzuhören, mit dem sie sich an der Pariser Oper bewerben wollte: der Cellopart aus einem Orchesterwerk, also etwas eher Abstraktes, Reduziertes. Wir waren allein in diesem großen weißen Saal. Jenseits der Musik hörte ich das Geräusch ihrer Finger auf dem Griffbrett, der Bogenhaare auf den Saiten, aber auch den Anspruch, die Genauigkeit, die vielen Stunden Arbeit. Dieser Moment hat mich tief beeindruckt. Ich dachte mir: Im Kinosaal, mit echter Klangqualität kann ich dieses Gefühl vielleicht für alle erfahrbar machen.“

Im Film geht es um eine Quartett-Partitur aus den frühen 1990er-Jahren. Grégoire Hetzel erschien mir als Komponist ideal, weil er „ernste“ Musik macht, aber auch die Flexibilität eines Filmkomponisten besitzt. Zunächst legten wir fest, was während der Proben zwischen den Figuren passiert: Wer drängt sich in den Vordergrund, wer widerspricht wem beim Tempo oder in der Interpretation? Das haben wir wie Dialoge gedacht. Dann hat Grégoire das in Musik übersetzt – unter Wahrung der klassischen Form des Quartetts mit vier Sätzen. Beeindruckend. 

Während der Proben wurde mir klar, wie unterschiedlich das, was die Musiker erleben und hören, von dem ist, was ein Zuhörer oder Konzertbesucher wahrnimmt. Klanglich war das ein großartiges Material, um filmische Mittel wie Schuss-Gegenschuss, Schnitte und Montage zum Leben zu erwecken.

Wir mussten den Live-Ton einfangen, aber die Lautstärke jedes Instruments unabhängig mischen können. Wir mussten die Musik aufnehmen, aber auch die Dialoge, die Finger- und Handhabungsgeräusche. Schon beim Schreiben hoffte ich, dass die Anforderungen, die die Musik stellen würde, das Team zu Höchstleistungen anspornen würden. Das war der Fall. Von Anfang bis Ende herrschte echte Harmonie. Eine Geschichte über gescheiterte Egos zu erzählen, hilft vielleicht, das eigene Ego zurückzustellen.

Ich hoffe, der Zuschauer wird vom Eindruck der Realität gepackt. Er oder sie glaubt, in ein großes Haus eingeladen zu sein, in dem Musiker eingeschlossen sind, die sich nicht kennen, die proben, sich misstrauisch beäugen und sich schnell gegenseitig hassen. Dann ist es Zeit, sie kennenzulernen und einen nach dem anderen besser zu verstehen, ihre Persönlichkeit zu entdecken, über ihr überzogenes Ego und ihre Starallüren zu lachen, bevor ihre Zweifel und ihre manchmal gezeigte Verletztlichkeit einen berühren … bis die gemeinsame Arbeit langsam Ordnung in das Chaos bringt.

François Ettori und Thibault Pailler sind Geigen- und Bogenbauer und Experten auf ihrem Gebiet. Die Instrumente im Film wurden von ihnen entworfen, wobei sie sich an dem von Stradivari in der Blütezeit der italienischen Renaissance entwickelten Modell orientierten. François Ettori spielt zudem im Film die Rolle des Geigenbauers: „Man neigt dazu zu glauben, dass es die Spuren der aufeinanderfolgenden Musiker sind, die den Klang eines Instruments prägen. Das hat im Grunde genommen denselben Wert wie das Instrument selbst. Wenn man eine Stradivari zwei Jahrhunderte lang in die Hände eines Dilettanten legt, wird sie einen mittelmäßigen Klang erzeugen, das ist sicher. Was die Stradivari in ihrem Klang auszeichnet, ist die Tatsache, dass Stradivari sie an große Musiker verkauft hat.“

Der Klang der Stradivari
Les musiciens
Start ab 6. August

Regie Grégory Magne

Drehbuch mit Haroun

Kamera Pierre Cottereau

Musik Grégoire Hetzel

Besetzung Mathieu Spinosi, Emma Ravier, Daniel Garlitsky, Marie Vialle und Valérie Donzelli, Frédéric Pierrot

FR 2024, 102 Min., frz.OmU|dtF, ab 0

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